SDE Förderpreis 2015 für den Hessencourrier

Laudatio vom Heimo Echensperger


Der Hessencourrier hat den Schwerpunkt seiner Arbeit auf den Erhalt und die Demonstration von Fahrzeugen der Kassel-Naumburger-Eisenbahn (KNE) und der hessischen Nebenbahnen gesetzt und kann mit seiner heutigen Sammlung die Fahrzeugentwicklung der ersten 60 Jahre des vergangenen Jahrhunderts in diesem Bereich nachzeichnen. In Verbindung mit der ebenfalls im Besitz des Vereins befindlichen KNE-Dampflok 206 kann ein original KNE-Personenzug gebildet werden.

Heimo_Echensperger beim verlesen der Laudatio Foto-Saarbourg   
Heimo Echensperger beim 
Verlesen der Laudatio 
 
Der technische und betriebliche Mittelpunkt der Vereinsarbeit war stets in Kassel-Wilhelmshöhe. Dort konnten zunächst nicht mehr benötigte Betriebsanlagen der KNE genutzt werden. Mit der Bahnreform kam es erfreulicher Weise wieder zu einem Aufschwung der regionalen Eisenbahnen im Personenverkehr. Für den Hessencourrier hatte dies allerdings zur Folge, dass das bisher benutze Betriebsgelände wieder von der KNE beansprucht wurde.

In dieser Situation gereichte es dem Hessencourrier zum Vorteil, sich mit seiner Arbeit und seinem Fahrtenangebot seit je in das regionale Leben integriert zu haben und so zu einem unverzichtbaren Bestandteil von Kassel und seinem Umland geworden zu sein. Auf dieser Basis erfuhr der Hessencourrier die nötige Unterstützung, um unweit seines bisherigen Domizils im Bereich eines an die KNE anschließenden, von der Bundeswehr aufgegebenen, Gleisanschlusses einen neuen Standort zu errichten, der 2007 bezogen werden konnte.

Bei der Errichtung der neuen Betriebsanlage widerstand der Hessencourrier der Versuchung, eine historisierende Bahnhofsanlage zu schaffen, die es so für die KNE in Kassel nie gegeben hat. Stattdessen wurden die vorhandenen personellen und finanziellen Mittel darauf konzentriert, eine Infrastruktur zu schaffen, welche das im Fahrzeugsektor erreichte nachhaltig unterstützt. So wurde eine kombinierte Bahnsteig- und Abstellhalle errichtet, die einerseits den verkehrlichen Bedürfnissen dient und es gleichzeitig erlaubt, zwischen den Betriebstagen fast alle Fahrzeuge witterungsgeschützt abzustellen. Dadurch wird der Erhalt der historischen Fahrzeuge wesentlich unterstützt und gleichzeitig das ehrenamtliche, zur Verfügung stehende Arbeitsvolumen nicht für wiederholte Konservierungsmaßnahmen verbraucht. Ein in die Halle integriertes Gebäude für die Logistik für den Service im Zug und mit Sozialräumen für den Verein erleichtert die Arbeit zusätzlich. Ein Stück unterhalb des Bahnhofs wurde eine mehrständige Werkstatthalle errichtet, die über eine Kranbahn über alle Gleise und eine Grube verfügt. Auch hier wurde der Vorzug einer modernen Ausgestaltung gegeben, die eine effiziente ehrenamtliche Arbeit unterstützt. Mit seiner zentralen Lage und der grundsätzlichen Bereitschaft der Unterstützung „durchreisender“ Museumsfahrzeuge geht der potentielle Nutzen noch über den Hessencourrier hinaus.

  Klaus Schulte beim Vortrag Foto-Saarbourg 
 
Klaus Schulte beim Vortrag 
In Anbetracht der Tatsache, dass ehrenamtliche Arbeit nur beschränkt verfügbar ist, muss es darauf ankommen, diese langfristig bestmöglich für den Hauptzweck – hier im Fall des Hessencourrier der Erhalt der Kleinbahnfahrzeuge und deren Betrieb –zu nutzen und möglichst wenig davon für Arbeiten zu verwenden, die keinen unmittelbaren Beitrag hierzu leisten und eventuell nur im Prinzip veränderlichen Umständen geschuldet sind. Die Stiftung Deutsche Eisenbahn ist der Ansicht, dass dies dem Hessencourrier mit seiner in Kassel-Wilhelmshöhe errichteten Betriebsanlage in beispielhafter Weise gelungen ist, diese Voraussetzung für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, weshalb er mit dem SDE-Förderpreis 2015 in Höhe von 4500,- Euro ausgezeichnet wird.

 
Hessencourier Förderpreis

letzte Änderung 17.10.17/pb, Seite erstellt 2015